Das ist David Müller Windows 8 – Eine neue Welt

Von David Müller am 23.08.2012
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Am 26. Oktober 2012 ist es so weit: Windows 8 wird für den Endverbraucher erscheinen. Bereits seit dem 15. August ist Windows 8 als 90 Tage-Probierversion für jedermann verfügbar. Incloud stellt das neue Betriebssystem vor und wagt einen Blick in die Zukunft.

Mehr Revolution als Evolution

Mit Windows 8 wird sich einiges ändern! Microsoft strebt ein einheitliches Bedienkonzept für Smartphones, Tablets und den gewöhnlichen Desktop-PC an. Da ein 10-Zoll Tablet aber fundamental andere Anforderungen an die Benutzeroberfläche eines Betriebssystems stellt als ein Desktop-PC mit 24-Zoll Monitor schlagen unter Windows 8 zwei Herzen. Microsoft hat erkannt, dass mit dem bekannten Desktop im mobilen Umfeld kein Blumentopf zu gewinnen ist. Der Finger ist dafür als “Eingabegerät” zu ungenau, die Icons und die Schrift zu klein. So entschloss man sich dafür, neben dem gewohnten Desktop ein neues Bedienkonzept einzuführen: DieModern UI wird in Zukunft die zentrale Anlaufstelle sein und präsentiert sich direkt nach dem Systemstart mit vielen bunten Kacheln.

Kacheln, Kacheln, Kacheln

Betrachtet man das erste Mal die Modern UI, gerät man leicht ins Staunen. Was sich da präsentiert, hat so gar nichts mehr mit dem gewohnten Windows “Look and Feel” zu tun. Alles ist bunt, grell und bewegt sich. Dabei macht die Idee hinter den Kacheln durchaus Sinn: Der Nutzer ist permanent über alle Neuigkeiten informiert, die ihn interessieren. So kann man die Modern UI als neue Kommandozentrale des Rechners betrachten. Es kommt eine neue E-Mail herein? Die Kachel des Mail-Programms aktualisiert sich. Neue Facebook-Nachricht? Die Kachel weist direkt darauf hin. Ein nahender Termin? Die Kalender-Kachel informiert darüber. Auf diese Art erspart sich der Nutzer, alle relevanten Programme regelmäßig zu öffnen, dort nach Neuigkeiten zu schauen und sie anschließend wieder zu schließen. Das Portfolio der standardmäßig von Microsoft mitgelieferten Apps ist ordentlich: Wetter, Börse, Nachrichten, Bildergalerie, Kontakte, Kalender, Karten, Musik, News …

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Wechsel zwischen Desktop und Modern UI

Natürlich ist das primär für Smartphones und Tablets entwickelte Konzept der Modern UI nicht für alle Anwendungen praktikabel. So ist Photoshop mit seiner Vielfalt an Menüs und der zwingend erforderlichen, pixelgenauen Eingabe beispielsweise schlecht als touchfähige App vorstellbar. Werden Anwendungen gestartet, die nicht speziell für die Modern UI geschrieben wurden, startet vollautomatisch dergewohnte Windows-Desktop und die Anwendung wird in diesem ausgeführt. Per Druck auf die Windows-Taste kann dann nach vollendeter Arbeit wieder auf die Kachel-Oberfläche zurückgekehrt werden. Die Verschmelzung der beiden Bedienkonzepte funktioniert erstaunlich flüssig. So ist es zum Beispiel auch möglich, Apps der Modern UI zusammen mit konventionellen Desktop-Anwendungen auszuführen, indem das neue “Snap-In”-Feature benutzt wird: Apps lassen sich auf dem Desktop von der linken Seite des Bildschirmrands hineinziehen, sodass etwa parallel zu meinem Bildbearbeitungsprogramm auf dem Desktop noch der Newsticker aus der Nachrichten-App der Modern UI geöffnet ist.

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Dieses Features gleicht somit der aus Windows Vista bekannten Sidebar.

Umgewöhnung von Windows 7

Die markanteste Änderung ist sicherlich der Wegfall des von Windows gewohnten Startknopfes. In der linken, unteren Ecke des Desktops herrscht nun Leere – solang man nicht mit der Maus in diese Ecke fährt. Dann nämlich erscheint ein kleines Vorschaubild der Modern UI-Oberfläche in diese Ecke und ermöglicht den Wechsel zurück in die Kachelwelt. Natürlich wäre dieser Wechsel auch per Druck auf die Windows-Taste möglich gewesen. Hier zeigt sich Microsofts Philosophie: Die Modern UI soll das Startmenü ersetzen. Und tatsächlich: Systemsteuerung, PC herunterfahren und alle Programme finden sich auf der Kachel-Oberfläche wieder. Besonders praktisches Feature: Durch einfaches Lostippen in der Modern UI wird eine Suche angestoßen, die systemweit sowohl Einstellungen als auch Apps und Dateien sucht – quasi ein Schnellstartmenü.

Noch eine Neuerung auf dem Desktop: Das unter Windows 7 eingeführte “Aero Glass” ist wieder verschwunden. Runde Ecken und teiltransparente Fenster finden sich unter Windows 8 nun nicht mehr. Es regieren harte Ecken und durchgängige Farben, um dem Designkonzept der Modern UI entgegenzukommen.

Weitere, markante Neuerung: Windows verfügt jetzt über “magische Ecken”. Wird die Maus in die rechte obere oder die rechte untere Ecke des Bildschirms bewegt, öffnet sich die sogenannte “Charm Bar”. Diese sieht auf dem Desktop genauso aus wie unter der Modern UIund bietet kontextbezogen etwa den Schnellzugriff auf Einstellungen an. Öffnet sich per Klick auf den “Einstellungen”-Charm unter dem Desktop sinnvollerweise die Systemsteuerung, können Anwendungen hier ihre eigenen Optionen unterbringen. So erhofft sich Microsoft, ein einheitliches Benutzerkonzept zu schaffen, sodass sich Nutzer direkt in den Apps zurechtfinden.

Durch einen Rechtsklick in Apps der Modern UI öffnet sich kein Kontextmenü, wie man das auf dem Desktop gewohnt ist. Viel mehr fährt die App Bar am unteren Rand des Bildschirms hoch und bietet hier zusätzliche Optionen an, die die App selbst definieren kann. In der Modern UI-Variante des Internet Explorer ist dies auch die einzige Möglichkeit, einen neuen Tab zu öffnen – der Browser funktioniert wie alle Apps nur im Vollbildmodus und blendet sämtliche Menüelemente aus.

Und eine weitere Umgewöhnung ist nötig: Unter der Modern UI können Apps nicht geschlossen werden. Windows selbst übernimmt die Verwaltung aller laufenden Apps und pausiert bzw. beendet diese selbsttätig. Ähnlich wie unter den Smartphone-Betriebssystemen Android und iOS werden Apps nur minimiert und laufen im Hintergrund weiter – dies geschieht entweder per Druck auf die Windows-Taste oder mit der altbekannten Tastenkombination Alt+F4.

Der moderne Stil

Apps, die Microsofts strenger Philosophie für die Modern UI genügen, sehen vor allem simpel aus. Das ist keineswegs negativ gemeint, wirkt diese minimalistische Anmutung doch durchaus elegant. Gescrollt wird per se horizontal, also von links nach rechts. Auch dies ist ein Tribut an das übliche horizontale Wischen auf mobilen Eingabegeräten.

Microsoft setzt Apps strenge Vorgaben und kontrolliert auch in einem manuellen Prüfprozess die Einhaltung dieser Prinzipien. So befinden sich Überschriften immer am selben Platz, für die Einstellungen ist ausschließlich die dafür vorgesehene Charm-Bar zu nutzen und horizontales Scrollen ist auch ausdrücklich erwünscht. Dies mutet beinahe schon nach den Vorgaben des großen Konkurrenten Apple an, immerhin hat sich dort zum Vorteil der Nutzer auch ein einheitliches Bedienkonzept für Apps durchgesetzt.

Anwendungs-Entwicklung für Windows 8

Apps für die Modern UI lassen sich neuerdings auch mit Webtechniken entwickeln. Dabei steht es Entwicklern frei, ob sie mit konventionellen Sprachen wie VB.net und C# arbeiten möchten oder doch den neuen Weg der Entwicklung mit Webtechniken bevorzugen. Der Weg zur App führt in jedem Fall über Visual Studio, welches Microsoft in der Version 2012 released hat.

Dabei bietet Visual Studio auch einen Simulator des parallel zur Markteinführung von Windows 8 am 26. Oktober 2012 erscheinendenSurface-Tablets an, um das Look and Feel der entwickelten App auch gleich noch auf die Größe des Tablet-Bildschirms bzw. die damit verbundene Touch-Bedienung zu optimieren. Ist die App dann von Microsoft geprüft und zertifiziert, erscheint sie im Windows Store und kann dort in einer der Kategorien heruntergeladen werden.

Der Windows Store ist zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch eher spärlich gefüllt, die Portierung bisheriger Desktop-Anwendungen für die Modern UI ist aber allerorten in vollem Gange, schließlich lassen sich mit Windows 8 nun durch die Unterstützung mobiler Endgeräte völlig neue Nutzerschichten erschließen. Das bald erscheinende Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 8 wird nämlich im Kern mit Windows 8 identisch sein und so ist eine Portierung der Apps mit vertretbarem Aufwand zu erwarten.

Blick in die Zukunft

Durch die radikale Umstrukturierung des seit Jahren nur zaghaft angepassten Betriebssystems wird von den Nutzern einiges abverlangt. Die von Microsoft eingeführten Bedienkonzepte ergeben allerdings alle Sinn und vereinfachen die Arbeit mit dem System. Besonders die Kacheloberfläche der Modern UI als Dashboard und Kommandozentrale hält den Nutzer immer auf dem Laufenden, auch wenn sie am heimischen Desktop-PC erstmal sehr ungewohnt wirkt. Microsoft geht hier einen großen Schritt in Richtung “eigenes Ökosystem”: Auf dem Smartphone, dem Tablet und dem Heim-PC wird dem Nutzer ein identisches Interface geboten, welches zudem noch die Nutzerdaten und Einstellungen auf Wunsch per Microsoft Skydrive synchronisiert.

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