Das ist Charlotte Couvé Neumorphism und die UX-Trends 2020

Von Charlotte Couvé am 15.04.2020
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Der neuste Trend im UX Design dieses Jahr: Neumorphism. Zunehmend macht sich der Stil in den Ideen und Konzepten der Designer bemerkbar. Gleichzeitig regt sich Kritik. Wir stellen Ihnen den Trend genauer vor und zeigen, warum er die Design Welt polarisiert. Außerdem werfen wir einen Blick auf weitere UX Trends in 2020.

Je schneller Prozesse ablaufen sollen, umso wichtiger wird die klare, benutzerfreundliche Gestaltung von (digitalen) Produkten und Vorgängen. Die User Experience (UX) beschäftigt sich mit der Optimierung des Nutzererlebnisses. Und so, wie sich Technologien und Anforderungen an diese verändern, sind auch die UX-Trends geprägt vom ständigen Wandel.

Was ist Neumorphism?

Neumorphism oder auch Neo-Skeuomorphism ist eine neue Iteration des Skeuomorphism Stiles, wodurch Web-Elemente, Screens oder App-Icons sehr Realitätsgetreu und wie die tatsächlichen Gegenstände dargestellt werden.

Apple verwendete Skeuomorphism in den älteren App-Icon Designs. Dieser Stil wurde in der Vergangenheit gelassen und das Flat Design kam immer mehr in den Vordergrund und hat unsere digitale Welt erobert.

Mit Neumorphism erleben wir ein Comeback des älteren „Apple Standard Stils“ mit einem neuen Schliff.

Was sind die Besonderheiten des Neumorphism?

Auch im Neumorphism ist die Anlehnung an die Realität in den Bedienflächen und Benutzeroberflächen zu erkennen.

Die verschiedenen Steuerelemente werden in einem 3D-artigen Stil dargestellt. Mit Hilfe von Schatten und Verläufen ergibt sich ein realitätsnaher Eindruck. Im Vergleich zum Flat Design, wirken Buttons nach vorne gewölbt. Wählt der User nun eines dieser Elemente aus, so wird es eingedrückt. Dadurch sollen NutzerInnen ein visuelles, realitätsnahes Feedback bekommen. Doch an diesem Punkt sind sich die Designer uneinig. Vor allem bei Buttons wird diese Art von Ausarbeitung aufgrund der schweren Erkennbarkeit von Call to Actions kritisiert. Selbst Menschen ohne eingeschränkte Sehfähigkeiten dürften beim Differenzieren der verschiedenen Zustände öfter mal Probleme haben.

Obige Abbildung zeigt Möglichkeiten der Darstellung der zwei Auswahlmodi: Nicht-Ausgewählt vs. Ausgewählt. Auf den ersten Blick ist der Unterschied nicht klar erkennbar. Nun stellen Sie sich vor, die Erkennbarkeit des Unterschiedes würde über Wichtiges entscheiden. Wenn es beispielsweise darum ginge, nur ausgewählte Teile einer Industrieanlage anzusteuern oder Sicherheitstüren remote zu verriegeln, würde Ihnen die leichte Differenzierung reichen?

Neben den Buttons kommen im Neumorphism noch weitere Steuerelemente wie Schieberegler, Tasten und Scrolling Bars vor. Wenn der Nutzer hier einen Schieberegler betätigt, wird er durch das Aussehen und die Benutzung an die Schieberegler auf alten Radios oder Musikanlagen erinnert. Ganz schön Retro.

Neumorphism von Michal Malewicz

Kurz: die Vor- und Nachteile von Neumorphism

Pro

Außergewöhnlich im Aussehen. Dieser Stil bringt wieder etwas Neues in unseren Flat-Design-Alltag und hinterlässt ein Gefühl der Leichtigkeit und Ästhetik.

Kontra

Differenzierung, die für Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit essentiell ist, leidet mit den leichten Verlaufen und unaufdringlichen Farben.

Inclouds Fazit

Trotz der tollen Ästhetik, die Neumorphism mit sich bringt, steht die klare Erkennbarkeit in der Benutzung an erster Stelle. Unter anderem im IoT-Bereich, wenn es zum Beispiel um die Steuerung komplexer Produkte über Apps geht, muss für den Nutzer klar erkennbar sein, welche Einstellungen er vorgenommen hat. Diese Differenzierbarkeit garantiert Neumorphism nicht. Statt den Trend aber komplett zu verwerfen, kann er mit anderen Stilen zu einer Version kombiniert werden, unter der die User Experience nicht leiden wird.

UX-Trends in 2020

Welche UX Trends können Sie von 2020 erwarten?

Der Dark Mode wird immer beliebter

In vielen Apps schon längst angekommen, aber noch nicht überall Zuhause: Der Dark Mode wird nun auch die letzten Bildschirme erobern und für besseren Batterieverbrauch aber auch gesündere Augen sorgen. Eine Veränderung, die hier groß mitspielen wird, sind OLED-Bildschirme die (fast) keine Energie bei schwarzen Bildschirmen verbrauchen. Das ist ein starkes Argument für den abgedunkelten Modus, das App-Anbieter bei der Entwicklung von Updates und neuen Anwendungen unbedingt mit einbeziehen sollten.

Illustrationen und 3D

Illustrationen sind inzwischen immer häufiger zu sehen. Die Beliebtesten: Abgerundete, dynamische Figuren mit verformten Körperteilen, die einen leichten und unbeschwerten Eindruck hinterlassen, wie unten zu sehen.

Illustrationen von Freepik

Illustrationen sind immernoch eine valide Art um Besonderheiten hervorzuheben. Um hier frischen Wind reinzubekommen, erhalten immer mehr Illustrationen ein Upgrade auf den 3D-Stil. Diese sind zwar schwerer zu erstellen, sorgen aber für einen besonderen Look und Uniqueness.

Illustrationen von Pitch

Flat Design vs. Skeuomorphic Design

Mit Neumorphism haben wir schon die ersten Anfänge gesehen. Diese 3D-artigen Designs werden in der Zukunft immer öfter verwendet werden, aber in Kombination mit anderen Stilen. Das gilt vor allem im B2C-Bereich. B2B hingegen greift auf Flat Designs zurück.

Der Einfluss des Minimalismus

Ein eigener Trend, der schon länger beobachtet wird, nimmt immer größeren Einfluss auf die User Experience: Minimalismus fasst viele der bereits genannten UX-Trends 2020 zusammen. Die Art der Rückbesinnung und der Vereinfachung sehen wir auch im Dark Mode oder in LCD, in denen es darum geht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die Vereinfachung zeigt sich auch teilweise im Neumorphism durch die schlichte Farbwahl und dezente Andeutung der Elemente.

Ergebnisse des Minimalismus sind puristische Geräte wie Mudita Pure, reMarkable oder das Light Phone. Sie setzen auf zweckgerichtete Funktionen und verabschieden sich von Feeds, die einen in den Bann ziehen wollen. Passend zum Digital-Detox sind die Geräte konzipiert, um so wenig wie möglich benutzt zu werden. Ersichtlich wird so, dass Bewegungen der Achtsamkeit und Digital-Detox diesen Trend wohl noch weiter fördern und so schnell nicht gehen lassen werden. Das wird sich auch in den kommenden UX-Trends zeigen.

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