Produktentwicklung in kleinen Schritten: Darum lohnt sich ein Minimum Viable Product

Profilfoto Doreen Eitelhuber
Chief Sales Officer

04.03.2021
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Wer den Prozess der Produktentwicklung schon einmal durchlaufen hat, weiß, dass nach kurzer Zeit die Ideen für Features nur so hervor sprudeln. Das Ergebnis: Ein Anforderungskatalog, mit dem die Entwickler die nächsten zwölf Monate gut beschäftigt sein werden. Doch bis dahin kann viel passieren... Warum kleinere Schritte bessere Ergebnisse bringen können, erfahren Sie hier.

Im Falle der Softwareproduktentwicklung ist weniger mehr – insbesondere am Anfang. Im Normalfall stellt sich im Laufe der Entwicklung heraus, dass viele der anfänglichen Ideen obsolet geworden sind. Durch wiederkehrende Nutzertests kommen neue Anforderungen auf, die vorher noch gar nicht abzusehen waren. Wenn diese Erkenntnisse erst zum Vorschein kommen, wenn die volle Ausbaustufe einer Anwendung lange schon erreicht ist, haben Sie Geld, Zeit und Ressourcen verschwendet. 

Diese Vorteile bringt ein Minimum Viable Product (MVP)

Im Gegensatz dazu gibt es die Variante, anfangs nur so wenig wie nötig zu implementieren und nach und nach die Anwendung mit den wirklich benötigten Features auszustatten. Dieser erste, marktfähige Aufschlag nennt sich Minimum Viable Product (MVP). Ein weiterer Vorteil dieser Herangehensweise ist der schnelle Go-to-market. Denn wird im stillen Kämmerlein 12 Monate gewerkelt, bis das Produkt veröffentlich wird, sind vermutlich schon andere Unternehmen mit ähnlichen oder gar gleichen Ideen am Markt. Und diese lösen Ihr zuvor definiertes Problem bereits ideal. Es wird also von Anfang an sehr schwierig für Sie, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Ein schneller Marktangang ist im Softwarebereich daher essentiell.

Gehen wir nun von folgender Situation aus: Die Idee wurde prinzipiell schon mit einem Design Prototypen verprobt und Sie haben bestenfalls die technische Machbarkeit im Rahmen eines Proof of Concept bewiesen. Es kann also endlich in die Umsetzungsphase gehen. Statt sich der Versuchung eines fertigen Produkts hinzugeben, sollten Sie sich hierbei lieber überlegen: Was ist der minimalste Umfang der Anwendung, der meinen Nutzern einen Mehrwert liefert? Das heißt im Klartext: ein Minimum Viable Product. Die Anwendung ist funktional und löst bereits das ursprüngliche Problem. Jedoch nicht mehr!

Bild: 300_librarians auf iStock


Mit diesem MVP können Sie dann an den Markt gehen und auf verschiedene Arten wertvolles Nutzerfeedback einholen. Parallel können Sie im Hintergrund bereits weiter an der Anwendung arbeiten, sie inkrementell weiterentwickeln und stetig verbessern.

Diese Herangehensweise hat viele Vorteile:

  • Schneller Go-to-market bedeutet zeitlicher Vorteil zur Konkurrenz
  • Kostensparend, da nur minimaler Aufwand erzeugt wird und keine unnötigen Funktionalitäten implementiert werden
  • Zeitnahes und breites Nutzerfeedback zur Verarbeitung, da die Anwendung bereits auf dem Markt ist und keine expliziten Testnutzer mehr gesucht werden müssen
  • Zukünftig höhere Nutzerzufriedenheit, daher kann Feedback schneller eingearbeitet werden 
  • Kapazitätssparend, weil Sie intern nicht bereits Funktionalitäten für die nächsten 2 Jahre konzipieren, sondern lediglich die Minimalausbaustufe planen müssen

Minimum Lovable Product: MVP mit emotionaler Ebene

Ist Ihnen das MVP nicht ausreichend? Besteht sogar schon der Wunsch, Ihre Nutzer mit dem gewissen Etwas bereits beim Produktlaunch zu begeistern? Dann ist das Minimum Lovable Product Ihr Mittel der Wahl. Prinzipiell verfolgen MVP und MLP den gleichen Ansatz – sie bestehen aus nur einem Bruchteil der vollen Ausbaustufe. Der kleine, aber feine Unterschied besteht darin, dass MLPs den Nutzer auf emotionaler Ebene bereits stärker abholen. Durch pfiffige Animationen oder einen angenehmen Onboarding-Prozess, der im Übrigen in einem MVP nicht wirklich etwas zu suchen hat, kann im MLP mehr Spaß am Produkt erzeugt werden. Positive Emotionen bei der Nutzung einer Anwendung sind der Schlüssel für eine schnelle Verbreitung und letztendlich auch den Erfolg der Anwendung.

Wie unterscheiden sich MVP und MLP?

Das MVP ist schneller entwickelt als ein MLP, da lediglich die minimalste Ausbaustufe gebaut wird. Ein MLP enthält dagegen bereits weitere, jedoch nicht zwingend notwendige Features Das MLP ruft positive Emotionen hervor, was zu einer prinzipiellen, besseren Wahrnehmung des Produkts bei den Nutzern führen kann. Dies führt wiederum zu stärkerem Engagement und ggf. zu mehr Weiterempfehlungen als bei einem MVP.

Kleiner Anfang, große Wirkung: Sie sehen, ein MVP oder MLP kann Ihnen dabei helfen, weitreichende Fehler in der Herangehensweise zu umgehen. Wechseln Sie ganz einfach die Perspektive. Weg vom Fokus auf die volle Ausbaustufe – Konzentrieren Sie sich lieber auf den minimalen Umfang und statten Sie Ihre Anwendung nach und nach mit zusätzlichen Features aus. 

Mehr zu MVPs und zur Entwicklung von Softwareanwendungen erfahren Sie hier!

Titelbild: Simone Viani auf Unsplash
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